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Alle Jahre wieder – Die Diskussion um verpflichtende Gesundheitsprüfungen für alle Autofahrer

Sehtest

Viele Senioren sehen und hören schlechter, reagieren langsamer und sind nicht mehr so beweglich. Da fällt zum Beispiel der Schulterblick beim Fahrstreifenwechsel oder beim Abbiegen trotz des Wissens um die dabei bestehenden Gefahren schon einmal aus rein körperlichen Gründen aus. Immer wieder liest man auch von Unfällen, bei denen ältere Autofahrer durchaus ungewöhnliche Crashs verursachen, wie Anfang April in Heidelberg: Eine 69-jährige BMW-Fahrerin verwechselt das Bremspedal mit dem Gaspedal und schiebt dadurch gleich acht geparkte Pkw aufeinander. Gesamtschaden: mindestens 30.000 €.

Obwohl ältere Menschen ihre körperlichen Einschränkungen oft durch eine vorsichtigere Fahrweise auszugleichen versuchen, verursachen überproportional viele von ihnen schwere Verkehrsunfälle. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass ein Mensch ab 75 Jahren, der an einem Unfall mit Toten oder Verletzten beteiligt ist, in 75% der Fälle selbst die Ursache gesetzt hat. Da Menschen im statistischen Mittel immer länger leben und die Zahl an hochbetagten Verkehrsteilnehmern aufgrund der demografischen Entwicklung steigt, sagen die Unfallforscher der Versicherer vorher, dass auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit Senioren in Zukunft noch steigen wird. Deshalb fordern sie auch für Deutschland verbindliche ärztliche Untersuchungen, so wie sie in einigen europäischen Staaten (z.B. Norwegen, Schweden, Niederlanden) für Autofahrer ab 70 längst Pflicht sind. In Spanien muss man sogar schon ab 45 Jahren zum Gesundheitstest.

Viele Senioren hängen nicht nur emotional an ihrem Auto, sie brauchen es für ihre täglichen Wege, sei es zum Einkaufen, für die Fahrt zum Arzt oder um die Enkel in die Schule oder den Kindergarten zu bringen. Populär ist die Forderung der Versicherer deshalb nicht. Aus diesem Grund will auch die Politik unsichere Verkehrsteilnehmer bislang nicht dazu zwingen, ihre Fahreignung regelmäßig testen und den Führerschein notfalls einziehen zu lassen. Stattdessen appellieren Politiker, Verbände und Kfz-nahe Vereine gerne an die Eigenverantwortung von Fahrerlaubnisinhabern. Genau diese funktioniert in der Praxis allerdings kaum. Zu groß ist die Angst der Betroffenen, durch einen drohenden Verlust des Führerscheins auch die eigene Mobilität und persönliche Freiheit zu verlieren.

Ob vorgeschriebene Gesundheits- und Fahreignungstests ab einem bestimmten Alter den Straßenverkehr insgesamt wirklich sicherer machen, können Wissenschaftler noch nicht genau sagen. Viele Experten sind dennoch der Meinung, dass eine gesetzliche Regelung gefunden werden müsse. Neben der Forderung von verpflichtenden Feedback-Fahrten für alle Autofahrer ab 75 Jahren wollen die Unfallforscher regelmäßige Sehtests im Abstand von fünf Jahren durchsetzen – übrigens auch für junge Autofahrer.

Diese Forderung kann ich auch in Anbetracht der potenziellen straf- und haftungsrechtichen Verkehrsunfallfolgen nur unterstützen.

Mein Augenarzt, der in seiner Praxis einen recht guten Eindruck von der Sehkraft seiner Patienten erhält und weiß, dass auch jüngere Menschen mitunter so schlecht sehen, dass eine sichere Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr nicht ohne geeignete und regelmäßig angepasste Sehhilfen gewährleistet werden kann, würde einen gesetzlich vorgeschriebenen Sehtest für alle Fahrerlaubnisinhaber schon aus rein medizinischer Sicht ebenfalls für sehr sinnvoll erachten.

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